Die Versorgung der Menschheit mit Eiweiß und Kohlenhydraten hängt zu > 80% an nur zwei Pflanzenfamilien: Süßgräser und Leguminosen. Das gilt für Hühnerfilet, Steak, Fisch*, Nudeln, Reis, Fisolen, Butterbrot, Käse, Milch, Leberkäsesemmel, Eierspeise und Schnitzel, weil Hühner und Schweine werden mit Soja, Ackerbohnen, Gerste, Weizen und Mais gefüttert und Kühe fressen meist Kleegras und Silomais. Aber es gilt auch für Humusbrot, Tempeh, Käferbohnen, Erbsenprotein-Burger, Sojamilch und Tofu, denn Kichererbsen, Linsen, Erbsen, Bohnen und Soja sind Leguminosen. *Auch Fischfutter wird wegen Überfischung der Meeren immer öfter aus Soja hergestellt und sogar unlogisch wirkende Pflanzen wie Zuckerrohr, Bambus, Akazien/Robinien und Erdnüsse gehören zu den Süßgräsern bzw. Leguminosen. Sobald nur bei einer der zwei Pflanzenfamilien eine gravierende artübergreifende Krankheit ausbricht, kann das die Ernährung der Menschheit gefährden. Ein Beispiel für eine artübergreifende Krankheit ist Feuerbrand auf Obstbäumen durch das Bakterium Erwinia amylovora. Die Lebensmittelpreise würden für viele unleistbar und es gäbe zu wenig zu essen für alle. Ähnlich wie bei der Hungersnot in Irland 1845 - 1849 mit ca. 1 Million Todesopfern. Das könnte auch zu Konflikten über begrenzte Lebensmittel führen, weshalb Ernährungssicherheit auch einen Beitrag für Frieden leistet. Beispielsweise könnten sich durch Globalisierung und ein feuchteres heißeres Klima neuartige eingeschleppte Pilzerkrankungen schneller als früher verbreiten. Die wild lebenden Vorfahren einiger heute für Ernährungszwecke genutzten Leguminosen sind wegen menschlichem Einfluss vom Aussterben bedroht. Dass es immer wieder zu eingeschleppten Krankheiten kommt, zeigt das Eschensterben und Erfahrungen von Art-Übergreifenden Krankheiten wie Feuerbrand bei Obstgehölzen und eine Krankheit bei Olivenbäumen. Es ist aber zum Glück nicht sehr wahrscheinlich, dass plötzlich alle Arten von Süßgräser oder Leguminosen gravierend befallen werden, aber wenn es eintritt, wäre das der Ernährungs-Super-GAU. Kleinere Super-GAUS, die bereits aufgetreten sind: z.B. Hungersnot Irland, Kakao-Krise 2024 wegen Dürre, Olivenbaumkrankheit 2024 usw. Davor kann uns Artenvielfalt und mehr Biodiversität innerhalb einzelner Pflanzenfamilien schützen. Der Mensch braucht für eine ausgewogene Ernährung mit allen Nährstoffen unterschiedliche Arten. Es gibt Lösungen für höhere Ernährungssicherheit bei gleichzeitig besserer Gesundheit durch vielfältigere Kultur- und Natur-Arten. Man müsste sie nur gezielt und vermehrt umsetzen. Welche ausgewogenen Lösungsmöglichkeiten es dazu konkret gibt, können wir gerne in einem Vortrag zeigen. [Quelle: Artenhof, Lukas Schützenhofer]
Die folgenden fünf weiteren Beispiele zeigen warum Artenvielfalt so wichtig für uns Menschen ist:
1.: Honigbienen können beispielsweise die Eiweißpflanze Lupine oder andere Pflanzen mit tief sitzendem Nektar wie z.B. große Glockenblumen nicht bestäuben, weshalb es
Hummeln oder große Wildbienen mit längerem Rüssel braucht. Auch bei Tomaten, Rotklee usw. sind Hummeln die effektiveren Bestäuber als Honigbienen. Umgekehrt gilt es auch für ganz kleine
Wildbienenarten, die es für Blüten braucht, die den Honigbienen zu klein sind. z.B. Schafgarbe. Das soll jetzt natürlich nichts gegen Honigbiene sein, es soll nur die essenzielle
Notwendigkeit der spezialisierten Bestäuber, der Wildbienen und Hummeln als Ergänzung zu den Honigbienen aufzeigen. Honigbienen sind beispielsweise für Rapsfelder und Sonnenblumenfelder
unverzichtbar wichtige Bestäuber. Außerdem wäre die Ernährung der Menschheit dadurch einseitiger und dadurch ungesünder, weil einzelne wenige Nahrungsmittel nicht den gesamten Vitamin-,
Minaralstoff-, Spurenelemente- und Nährstoffbedarf decken können. Es braucht für die sichere und gesunde Lebensmittelversorgung also alle drei: Honigbienen, Hummeln und
Wildbienen.
2.: Wenn mehr (Bestäuber-)Insekten sterben, wird die Zeit für Allergiker immer schwieriger, da es dann weniger Blütenbestäuber-Pflanzen gibt und im Umkehrschluss diese von Wind-Bestäubern verdrängt werden. Es braucht also auch bei den Bestäuberinsekten unbedingt die heimische Artenvielfalt. Außerdem kann eine höhere Pollenbelastung auch Nicht-Allergiker zu Allergikern machen, was zur Lungenkrankheit Asthma führen kann. Beispielsweise pollenreiche Windbestäuber wie das eingeschleppte Allergie-Erregende Ragweed bzw. Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) hätten ein noch leichteres Spiel, wenn es weniger von Bienen bestäubte Pflanzen gäbe. Die Pollenbelastung und Asthma würden weiter zunehmen. Das ist ein weiteres Beispiel, wie sich Artenvielfalt positiv auf die Gesundheit der Menschheit auswirkt.
3.: Resistenzen von Unkräutern/Beikräutern & Ernteschädlingen gegenüber Spritzmittel in der Landwirtschaft und Antibiotikamultiresistente Keime in Krankenhäusern sind ein weiteres Risiko. Auch dabei ist die Artenvielfalt und Biodiversität innerhalb einer Art eine Rückversicherung für unsere Gesundheit und Lebensmittelversorgung. Antibiotika werden oft vorbeugend bei hohen Nutztierzahlen pro m² Stallfläche oder in Fisch-Aquakulturen verwendet. Dies führt immer öfter zu resistenten Keimen und fördert leider die Bildung von bisher nicht dagewesenen Belastungen für Natur und Mensch:
Aktuell findet beispielsweise seit einigen Jahren ein Massensterben von Seesternen im Pazifik von Mexiko bis Alaska wegen einem Bakterium statt, das vermutlich durch Aquakulturen im Meer begünstigt wurde (das muss aber Stand 4.8.2025 aber noch abschließend geklärt werden). Dieses Sterben der Seeigel führte auf jeden Fall dazu, dass sich Seeigel massenhaft vermehren, weil Seesterne vor allem Seeigel fressen. Durch die unnatürlich hohe Seeigelpopulation wurden ganze Kelpwälder kahlgefressen, welche wiederum die Kinderstuben für Fische sind. Auch dadurch gibt es weniger Fische für die Menschen - nicht nur wegen Überfischung.
Das ist der gleiche Effekt, den vor Jahren die starke Dezimierung von Seeottern (Menschen jagten sie wegen ihrem dichten Pelz) hatte, denn auch für Seeotter sind Seeigel eine bevorzugte Nahrung. Das gefährdet also die Fischbestände, welche wiederum auch den Menschen als Nahrung dienen. Wenn der Mensch Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringt, schadet er sich auch selbst.
4.: 50% des Sauerstoffes in der Luft, die wir atmen kommt aus dem Meer. Die an der Oberfläche bzw. in flachen Wassertiefen lebenden Mikroalgen, Wasserpflanzen und Plankton die diesen Sauerstoff produzieren, brauchen wiederum die Wale als Nährstofflieferanten, die die Nährstoffe von tief unten wieder an die Oberfläche bringen, wo sie für die Sauerstoffproduktion benötigt werden. Das schwersten Tier das jemals auf der Erde gelebt hat - der Blauwal - wurde schon beinah durch Walfänger ausgerottet. Diese wurden vom Menschen bis ca. 1-2 % der Ursprungspopulation gejagt. Bei so starker Reduktion besteht die Gefahr des Aussterbens durch Inzucht und andern Effekten. Zum Glück wurden die Blauwale genau so wie die Wanderfalken (schnellstes Tier der Welt) von engagierten Naturschützern noch knapp vorm Aussterben gerettet. Man kann diesen Leuten fast nicht genug danken! Heute sind Schiffskollisionen durch schnell fahrende Motorbote und Containerschiffe eine weitere unnatürliche Gefahr für die Wale, weil sie immer wieder an die Oberfläche atmen kommen müssen.
5.: Von den mit uns Menschen genetisch sehr ähnlichen Berggorillas hat es vor ein paar Jahren nur noch ca. 500 Individuen gegeben. Das war schon höchst riskant wegen Inzucht und anderen Gefahren. Sie wären also fast vom Menschen ausgerottet worden. Zum Glück ist es durch die Arbeit von Umweltschutzorganisationen wie dem WWF (und deren Paten und Unterstützer/innen) und anderen Organisationen gelungen, diese für die Gesundheit der Menschheit vielleicht wichtigen Art am Leben zu halten. Durch die sehr nah verwandten Gorillas, mit doch etwas anderem Immunsystem, könnte die Menschheit für zukünftige medizinische Behandlungs- bzw. Vorbeugemethoden wichtige Erkenntnisse gewinnen. Danke an alle, die sich dafür und für den Erhalt anderer Arten (teils mit erheblichen Entbehrungen z.B. Ranger des WWF, die mühsam die Schlingfallen der Wilderer gesucht und entfernt haben und teils von den Wilderern bedroht wurden) eingesetzt haben!
Artenvielfalt ist also die Rückversicherung für die Lebensmittelversorgung und Gesundheit der Menschen. Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele an Land und unter Wasser dafür. Aber vielleicht reicht das für den Anfang, um diese Seite nicht zu sehr mit Text zu überladen. Wenn Sie weitere Beispiele hören wollen, können Sie sich gerne bei unserem Obmann melden oder einen Vortrag über die Bedeutung von Artenvielfalt buchen.
Artenvielfalt ist als eine der Lebensgrundlagen der Menschheit von besonderer Bedeutung. Die Artenvielfalt bzw. das "Kartenhaus des Lebens" bzw. das "Netzwerk des Lebens" wurde durch die Menschheit schon stark beeinträchtigt. Wir benötigen die Artenvielfalt aber für Folgendes: Eine gesunde und krisensichere Ernährung, für medizinische Zwecke, für sauberes Wasser, als Anpassung an die Klimakrise, gegen Antibiotika-resistente Keime, für stabile Wälder und als Gesundheitspolizei. Das Gleichgewicht der Arten wurde aber durch den achtlosen Umgang der Menschheit mit der Natur bereits empfindlich gestört. In den letzten Jahren sind die Individuenzahlen bei unzähligen Arten dramatisch gesunken. Faszinierende und teilweise systemrelevante Tier- und Pflanzenarten sind aktuell vom Aussterben bedroht. Die entscheidenden Hauptursachen des derzeitigen weltweiten Artensterbens sind direkte und indirekte menschliche Einflüsse.
Die Tier, - Pflanzen, - Pilze, - Bakterien, ... - Arten haben wichtige Aufgaben in der Nahrungskette und haben sich über Jahrtausende gemeinsam entwickelt. Jede Art ist ein lebendiges und einzigartiges Meisterwerk. Vor allem ist die Artenvielfalt im natürlichen Gleichgewicht aber für uns Menschen lebensnotwendig. Werden zu viele Arten ausgerottet und das Klima weiter erhitzt, brechen die Nahrungsketten zusammen. Das Kartenhaus des Lebens, wie wir es kennen, würde zusammenbrechen. Die Menschheit sägt sprichwörtlich am Ast, auf dem sie sitzt.
Doch es ist noch nicht zu spät.
Es gibt noch genügend Arten, die wir vom Aussterben bewahren können.
Egal ob wir es aus religiöser Schöpfungsverantwortung oder aus wissenschaftlicher Notwendigkeit sehen:
In beiden Fällen muss die Menschheit die Artenvielfalt besser vor zerstörenden Einflüssen bewahren.
Es liegt in unserer Hand.
Die Menschheit und die Natur können nebeneinander gedeihen. Es muss nicht das eine auf Kosten des anderen gehen. Einen Teil der Lösungen und Lebewesen zeigen wir Ihnen gerne bei einer Artenhof-Safari. Weitere Lösungen zeigen nachhaltige Unternehmen und NGOs wie WWF und Naturschutzbund.
Wir und viele andere Leute versuchen diese Parameter der ökologischen Belastungsgrenzen aus dem unsicheren Bereich wieder in den sicheren Bereich zu bringen.
Neben dem Artensterben gibt es aber auch weitere ökologische Belastungsgrenzen, die schon besonders weit überschritten wurden: Beispielsweise neuartige Substanzen und Organismen (z.B. Mikroplastik durch Reifenabrieb, Chemikalien in der Umwelt,...) und Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor. Diese Grenzen wurden teilweise auch schon im Jagingerbach am Rande des Artenhofs überschritten, wie folgendes Beispiel der Bachschmerle zeigt:
Foto: Jörg Freyhof
Die Bachschmerle (Barbatula barbatula) ist seit der Dürre 2022 lokal im an den Artenhof angrenzenden Bereich des Jagingerbaches ausgestorben. Davor war sie der dort mit Abstand häufigste Fisch mit oft mehr als 10 Tieren pro Quadratmeter. Gründe des lokalen Aussterbens: Sauerstoffmangel wegen hoher Wassertemperaturen durch Klimaerwärmung und Wassermangel und durch die Verstärkung des Sauerstoffmangels durch Überdüngung und Eintrag unbekannter Chemikalien wegen einer unvollständig (aber gesetzeskonform) arbeitenden Kläranlage des angrenzenden Dorfes und durch immer wieder durch wegen der Klimakrise verstärkten Starkregen eingeschwemmten Dünger aus der Landwirtschaft. Durch Querverbauung weiter unten im Bach können eventuell unten überlebende Tier nicht nachwandern. Nachbesetzen wäre natürlich ein Lösung, dabei muss man aber darauf achten, dass man aus der Population wo man Tiere entnimmt nicht zu viele zu entnehmen. Ein gewisses Mindestmaß für die neue Population ist aber nötig, um Inzucht zu vermeiden und eine stabile Population zu ermöglichen.
Gegen den Sauerstoffmangel könnte ein geschlossener Nährstoffkreislauf, wie er am Artenhof mit den Endverbrauchern angestrebt wird, eine mögliche Teillösung sein. Aber auch Klimaschutz ist wichtig für die Natur, damit der Sauerstoffmangel im Wasser und die Gefahr von vertrockneten Gewässern, Wäldern, Feldern und Wiesen sich nicht noch weiter verschärft. Auch deshalb decken wir seit langem unseren Strom- und Wärmebedarf zu 100% mit erneuerbarer Energie aus Österreich und achten auf Energieeffizienz: Effiziente energiesparende Beleuchtung, Strom aus der eigenen PV-Anlage wird dezentral ohne Netzverluste genutzt und Wasserkraft aus dem Stromnetz und Wärme aus Biomasse. Durch Wasser in der Landschaft zurückhalten wird Wasser im Boden gespeichert, was gegen Dürre vorbeugt und Hochwasser abschwächt, durch die Verdunstung wird es während Hitzewellen weniger heiß und durch damit verbesserte Versickerungsfähigkeit wird das Grundwasser/Trinkwasser wieder nachgebildet. Das führt auch zu konstanterem Wasserstand in den Bächen und Flüssen des Einzugsgebietes, was dort wiederum den Fischen und den Wasserkraftwerken zu Gute kommt.